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Davis Cup

Auf nach Südkorea: Abflug für ÖTV-Team ohne Philipp Oswald

Für Österreichs Tennis-Herren beginnt im Davis Cup die Mission Finalturnier.

©ÖTV

Der Countdown läuft: Nächste Woche kämpft Österreichs Davis-Cup-Team am 4. und 5. März in der Qualifikationsrunde in Südkorea um den erhofften Platz in der Gruppenphase des Finalturniers, das dieses Jahr schon vom 14. bis 18. September stattfinden wird. Am heutigen Donnerstag am Vormittag sind die ÖTV-Herren nun nach Asien aufgebrochen. Um 10:10 Uhr erfolgte der Abflug vom Flughafen Wien-Schwechat, zunächst in Richtung Frankfurt am Main (Deutschland), wo es dann um 17:00 Uhr direkt nach Seoul weitergehen wird. Ankunft: erst Freitag um 11:55 Uhr Ortszeit, nach langen, insgesamt 12:25 Stunden Flugzeit (1:30 plus 10:55 Stunden).

An Bord der beiden Maschinen sitzen vier Spieler des heimischen Kaders, Dennis Novak, Jurij Rodionov, Lucas Miedler, Alexander Erler. Weiters natürlich mit dabei das rot-weiß-rote Betreuerteam: ÖTV-Sportsekretärin Tamara Schandl, Teamarzt Dr. Ulrich Lanz, Bespanner Gerald Laposa, der Physiotherapeut Dominik Jessenk und als Masseur Werner Farmer. Österreichs Teamcaptain Jürgen Melzer nimmt einen späteren Flug am Freitag, um verständlicherweise zuvor noch am Begräbnis seines langjährigen Managers und Wegbegleiters Ronnie Leitgeb teilnehmen zu können. Ab Samstag am Nachmittag werden in Südkorea dann die ersten Teamtrainings abgehalten.

Leider kurzfristig nicht die Reise antreten konnte Philipp Oswald: Der Vorarlberger Doppelspezialist wurde unglücklicherweise am späten Mittwochabend positiv auf Corona getestet und muss in der Heimat in Quarantäne. „Es ist extrem bitter, dass er ausfällt, weil er zum letzten möglichen Zeitpunkt vor der Abreise positiv getestet wurde“, bedauerte Kapitän Melzer. „Er wird dem Team fehlen.“ Die rot-weiß-rote Auswahl kann aber trotz des Ausfalls ihres Top-Doppelmanns mit den regierenden Kitzbühel-Siegern Erler/Miedler auf ein starkes, bestens eingespieltes Duo setzen.

Einen Ersatz für Oswald konnte man wegen der Einreisebestimmungen nicht mehr finden, da eine Ausnahmegenehmigung so kurzfristig nicht erhältlich wäre und ein Nachreisender frühestens am Montag im Flieger wäre und so erst am Mittwoch in Südkorea aus der Quarantäne käme. Eine gezielte Vorbereitung samt rechtzeitiger Jetlag-Überwindung wäre hiermit unmöglich. Melzer setzte sich deshalb als fünfter ÖTV-Mann nunmehr selbst auf die Teamliste, um im äußersten Notfall einspringen zu können. Einen tatsächlichen Einsatz als Playing Captain plant der heimische Routinier aber nicht, sollte es nicht zwingend notwendig werden.

„Massives Problem“: Kampf dem Jetlag

Mit acht Tagen vor dem ersten Aufschlag zum Länderkampf erfolgt die Anreise des ÖTV-Teams diesmal ungewöhnlich früh. Das jedoch aus gutem Grund, denn direkt nach der Landung in Seoul geht es zunächst zum Corona-Test und dann weiter ins Quarantäne-Hotel, bis das (erhoffte) negative Testergebnis eintrifft. Erst dann darf die Übersiedlung ins Spielerhotel erfolgen. Zudem will der (zu befürchtende) Jetlag zeitgerecht vor nächstem Freitag abgeschüttelt werden und möchte man natürlich vor diesem enorm wichtigen Länderkampf für Tennis-Österreich ausreichend Zeit haben, um sich auf die Bedingungen vor Ort einzustellen.

„Es ist eine Kombination aus all dem, weshalb wir diesmal schon so früh anreisen“, sagte Melzer, „der Hauptgrund ist aber der Jetlag. Es ist ganz wichtig, dass die Jungs am nächsten Freitag auf dem Court voll leistungsbereit sind, wenn wir den Aufstieg in die Gruppenphase des Finalturniers schaffen möchten. Sie werden dort um 11 Uhr Ortszeit auf dem Platz stehen – das ist 3 Uhr Früh in Österreich, da sollten also alle bis dahin den Jetlag besser abgelegt haben. Das braucht einfach ein paar Tage Zeit. An die Spielbedingungen vor Ort kann man sich hingegen problemlos binnen drei oder vier Tagen gewöhnen, das ist weniger das Problem.“

Corona-Maßnahmen wird man mit Beendigung der Quarantäne nach der Ankunft übrigens nicht los. Im Rahmen des Länderkampfs erwartet alle Teammitglieder in Seoul eine strenge Corona-Bubble. „Wir dürfen uns nur zwischen Hotel und Anlage bewegen“, schilderte der 40-jährige Niederösterreicher, „einziger Frischluftbereich ist ein Trainingscourt im Freien, wo wir ein bisschen Ausgang haben werden. Umso mehr gilt‘s die ersten Tage, nur mal locker reinzufinden, den Platz kennenzulernen, mit dem Jetlag zu kämpfen. Wir werden auch gut und hart trainieren, aber von der Trainingszeit her anfangs wohl nicht übermäßig viel. Es macht keinen Sinn, sich an den ersten Tagen gleich totzuspielen, wenn man noch vom Jetlag erschöpft ist.“

Melzer sieht 50:50-Partie

Vorfreude auf die Corona-Bubble kommt bei Melzer wenig überraschend nicht auf – auf seinen ersten Länderkampf als Österreichs Teamkapitän sonst freilich schon: „Ich liebe diesen Bewerb! Ich freue mich darauf, die Jungs drauf vorzubereiten, sie am Wettkampf-Wochenende zu pushen, den Funken von der Bank überspringen zu lassen und Gas zu geben, meine Erfahrung aus dem Bewerb dann auch eins zu eins weitergeben zu können und von der Bank aus auf unsere Spieler wirklich auch einwirken zu können“, so der heimische Davis-Cup-Rekordspieler. „Das wird auch für mich eine neue Situation, und ich bin gespannt, wie ich damit umgehen werde. Die Vorfreude überwiegt auf jeden Fall.“

Erwarten wird Österreich ein schneller Hartplatz, „der Ballabsprung soll recht flach sein“, weiß Melzer. „Aber das wird unseren Spielern auch liegen, da bin ich absolut überzeugt davon.“ Die Chancen sieht er bei 50:50: „Ich rechne mit einer ganz, ganz engen Kiste“ – in der nicht zuletzt das Doppel das Zünglein an der Waage darstellen und letztlich vorentscheidend sein könne. Die durchaus ansprechende Form der aufstrebenden Nummer eins der Gastgeber, Soonwoo Kwon (ATP 60), der vor dem Sprung in die Top 50 der Welt zu sein scheint, bereite ihm keine Sorgenfalten: „Wir sind sicherlich nicht der Favorit in den Partien gegen ihn, aber er ist auch schlagbar und hat viel Druck. Er führt sein Team an und muss wohl beide Einzel gewinnen.“

Melzer gibt sich hierzu abwartend: „Man muss schauen, wie Kwon mit dieser Rolle umgehen wird. Ich habe selbst keine Ahnung, ob er da drüberstehen und das ganz locker wegstecken wird oder nicht. Im Davis Cup ist da alles möglich. Dennis Novak hat jedenfalls ein positives Head-to-head gegen ihn, Jurij Rodionov ist gut in Form – er kann Kwon am ersten Tag auch ohne Weiteres schlagen. Also er muss die zwei Punkte erst mal machen.“ Und selbst wenn Kwon das gelingen sollte, darf man mit zwei Punkten gegen Südkoreas Nummer zwei liebäugeln. Dem Ranking nach wäre hier mit Yunseong Chung (ATP 372) zu rechnen. „Ich kenne ihn nicht. Ich werde ihn mir vor Ort ansehen und versuchen, Videos zu finden und die Zeit dort nutzen, um unsere Spieler perfekt einzustellen. Wir werden auf alle Eventualitäten vorbereitet sein“, kündigte Melzer an. Auch jene, dass genauso gut Jisung Nam (ATP 436) oder Seong Chan Hong (ATP 576) für Südkorea im Einzel einlaufen könnten.

Novak und Rodionov „brennen drauf“

Die Form seiner eigenen Spieler im Vorfeld schätzt Melzer als ziemlich gut ein: „Ich denke, Dennis hat seine Corona-Erkrankung gut weggesteckt und überstanden. Er hat bei seinen Turnierauftritten teilweise gute Leute geschlagen und wird nach der Erkrankung wohl mit jedem Tag besser in Form kommen. Er hat sich im Davis Cup auch immerzu positiv präsentiert – er brennt absolut drauf“, so der zuversichtliche Deutsch-Wagramer. „Und Jurij hat sich in den letzten Wochen in Summe richtig toll präsentiert. Ich habe da ein paar von seinen Partien auch selbst gesehen, etwa als er in Dallas Maxime Cressy und beinahe auch Vasek Pospisil geschlagen hat. Er hat diesmal seinen ganzen Turnierplan voll und ganz auf den Davis Cup ausgelegt, was mich sehr freut, und er brennt ebenfalls schon richtig auf diesen Länderkampf. Ich freue mich auf die beiden im Einzel und bin sehr gespannt.“

Die Hürde Südkorea zu meistern und wie 2021 wieder am Finalturnier teilnehmen zu können, das wäre für Melzer „extrem wichtig. Das ist ein riesengroßes Event im September dann, für das wir uns qualifizieren können. Abermals zu den besten 16 Nationen der Welt zu gehören, wäre für Österreichs Tennissport von enorm hoher Bedeutung. Unsere Spieler hätten dabei auch eine tolle Plattform, um sich und das eigene Land zu präsentieren. Es wäre extrem lässig, wenn wir das schaffen sollten“ – und für Melzer zugleich ein perfekter Einstand als rot-weiß-roter Kapitän.

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