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Campus & Profis

Strikte Quarantäne statt hartes Training

Vorarlbergs Tennis-Ass Philipp Oswald muss sich in seinem Hotelzimmer auf die Australien Open vorbereiten

Er hat das Lachen noch nicht verlernt: Philipp Oswald versucht in seinem Hotelzimmer direkt am Melbourne-Park das Beste aus seiner schwierigen Situation zu machen. (Foto: Privat)

Weil einer der insgesamt 67 Passagiere an Bord des Charterflugs von Los Angeles nach Melbourne positiv auf Corona getestet wurde, sitzt der Dornbirner Tennisprofi Philipp Oswald seit Montag in rigoroser Quarantäne. Der 34-jährige ist gezwungen sich zwei Wochen lang in seinem Hotelzimmer auf das erste Grand Slam Turnier des Jahres vorzubereiten. VTV-Pressereferent Thomas Flax hat mit ihm telefoniert.

Du hast in Australien noch keinen einzigen Ball geschlagen und dennoch liest man schon jetzt vom „Corona-Chaos“ und dem „Quarantäne-Schock“. Wie dramatisch empfindest du selbst deine Situation?

Oswald: Die Situation ist schon speziell, weil ich nicht vorbereitet war, dass dieser Fall überhaupt eintreten könnte. Ich habe immer gedacht, solange ich selbst keinen positiven Test abgebe, kann ja eigentlich nicht viel passieren. Auch ein Antikörpertest im Dezember wies mich als sehr gut geschützt aus. Der Schock war dann schon recht groß, als ich nach meiner Ankunft einkaserniert wurde.

Dein Kollege, der Neuseeländer Artem Sitak, bezog in einem Selfie-Video Stellung und meinte, dass niemand überrascht sein dürfe. Die Organisatoren hätte im Vorfeld die Szenarien klar kommuniziert, ist das richtig?

Oswald: Mein Doppelpartner Marcus Daniell ist auch Neuseeländer und die beiden haben eine derartige Quarantäne bereits durchgemacht und die waren wahrscheinlich mental besser darauf eingestellt, dass so etwas passieren kann. Es wurde auch nicht kommuniziert, dass wenn ein positiver Fall an Bord festgestellt werden sollte, gleich alle Passagiere eingekastelt werden. In den Informationsschreiben stand drinnen, dass von Fall zu Fall entschieden werde. Nun wurde aber eine Schablone über alle gelegt, die in diesem Flugzeug saßen.

Aus der harten Quarantäne meldeten sich Spieler, dass das Ganze ein „Wahnsinn“ und „unfair“ sei. Ist das Turnier für dich schon vorbei, bevor es überhaupt begonnen hat?

Oswald: Nein gar nicht. Objektiv betrachtet ist es natürlich ein Handicap. Aber es stellt sich vielmehr die Frage, wie man damit umgeht. Man steht im Leben öfter mal vor Hindernissen. Die, die den Erfolg haben wollen, müssen damit umgehen können. Die Herausforderung besteht darin frisch zu bleiben, vor allem im Kopf.

Du schaust jetzt zwei Wochen lang beim Fenster raus und siehst deine Gegner fleißig trainieren. Zeitgleich bereiten sich in Adelaide die Stars der Szene rundum Dominic Thiem vor, offensichtlich unter noch besseren Bedingungen. Was läuft da verkehrt?

Oswald: Es ist natürlich eine Extremsituation. Schon immer wurden die Top-Stars ein bisschen bevorzugt und sie haben sich das ja auch verdient. Sie bringen schlussendlich die Massen in die Stadien und vermarkten unseren Sport. Das ist völlig in Ordnung. Jetzt können die Jungs in Adelaide aber nun mal mehr trainieren und das ist nicht ganz fair. Wir alle bewegen uns in der Zeit einer Pandemie. Die Australier nehmen die Situation sehr ernst, also seien wir doch froh, dass wir überhaupt spielen dürfen.

Jeden Tag sind sämtliche Athleten zu Video-Meetings mit den Organisatoren von „Tennis Australia“ eingeladen. Wird die Quarantäne dort stark thematisiert oder geht es da um ganz andere Dinge?

Oswald: Nein, das ist schon das zentrale Thema. Tennis Australia steht hier spürbar unter Druck. Einerseits sind da frustrierte Spieler, für die das schlimmste Szenario eingetroffen ist, andererseits unterstützt die australische Bevölkerung die Tatsache nicht, dass nach einem sehr harten Lockdown über 1.200 Spieler und Betreuer für die Turniere hierher eingeflogen wurden. Trotz allem machen die Organisatoren einen richtig guten Job und mit großer Wahrscheinlichkeit wird das noch ein super Event werden.

14 Tage lang strikte Quarantäne, ganz allein in einem 25 Quadratmeter kleinen Hotelzimmer, mit nur recht bescheidener Verpflegung, einer schlechten Internetverbindung und einer enormen Zeitverschiebung nach Hause: Wie stehts um dein Gemüt?

Oswald: Es gibt Sachen, die ich ändern kann und es gibt Dinge, die für mich nicht zu beeinflussen sind. Die Zeitumstellung kann ich beispielsweise nicht verändern, aber das Problem mit dem Internet konnte ich schon lösen, indem ich mir zum Essen dazu auch gleich eine SIM-Karte fürs Handy bestellt habe. Ich nehme es einfach so, wie es ist. Es bleibt mir auch gar nichts anderes übrig.

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